Inklusion im Kinderhaus

Mittendrin statt nur dabei“ - erlebt von Toni und seiner Familie

 

das ist es, was wir uns für unseren Sohn Toni wünschen.

Toni soll teilhaben dürfen unter Berücksichtigung und Förderung seiner Besonderheiten. Ebenfalls wichtig ist für uns, dass die Gesellschaft Toni kennenlernen und den Umgang mit ihm lernen darf, genau so wie Toni die Möglichkeit bekommen soll den Umgang mit der Gesellschaft zu erlernen.

Toni ist nun 5 Jahre alt und hat das Down Syndrom.

 

In Tonis Fall bedeutet das, dass er mit drei Jahren Laufen lernte, dass er zwar einzelne Wörter spricht, diese aber sehr verwaschen sind, so dass man wirklich genau hinhören muss, um zu verstehen was er meint. Davon abgesehen ist Toni ein fröhliches, aufgeschlossenes Kind – Unser „Sonnenschein“.

 

Im Oktober 2012 (Toni war zu dem Zeitpunkt 2 Jahre alt) sind wir vom Kreis Böblingen an den Rehnenhof gezogen. Schon im April habe ich angefangenmich um einen geeigneten Kindergartenplatz für Toni zu bemühen.

Nach längerer Suche erfuhr ich durch einen glücklichen Zufall vom Kinderhaus Waldau. Ich werde nie dieses erste Telefonat vergessen. Der erste Satz nachdem ich mein Anliegen vorgetragen hatte, lautete: „Da sind Sie hier genau richtig. Super. Wir freuen uns.“

Und genau das ist die Einstellung der Mitarbeiter/innen, die das Kinderhaus für uns so besonders macht. Toni ist hier nicht „geduldet“ - er, und somit auch wir, sind hier „willkommen“. Die Mitarbeiter/innen begegneten Toni von Anfang an mit Offenheit, Interesse und Neugierde. „Toni ist eben Toni“. Dennoch wird auf Tonis Bedürfnisse eingegangen. So darf Toni zum Beispiel Materialien seiner Therapien in das Kinderhaus mitnehmen, so dass die Mitarbeiter/innen die Therapie im Kinderhaus fortsetzen können. Im November 2012 wurde ich zu einer Teamsitzung eingeladen, in der ich berichten durfte, wie wir zuhause mit Toni umgehen, welche Therapien er bekommt, usw. Zudem kam seine Bezugserzieherin zu uns nach Hause und hat sich vor Ort ein Bild von Tonis Lebensumständen gemacht. Das Kinderhaus ist sehr um Transparenz bemüht (durch Beobachtungen, Fotos oder Begebenheiten, die aufgeschrieben werden). Da Toni uns nicht mitteilen kann, was passiert ist, ist diese Transparenz für uns unverzichtbar. Einmal im Monat darf Toni auf dem Pony „Sissi“ unter Aufsicht einer Reittherapeutin reiten. Nach seiner ersten Stunde auf und mit dem Pferd ist er gelaufen und nicht mehr nach drei Schritten ins Krabbeln gefallen. Auch sein Becken hat sich laut Physiotherapeutin sehr gut aufgerichtet, was ebenfalls auf die Reittherapie zurück zu führen ist.

Dadurch, dass Toni so „normal“ behandelt wird und keine „Sonderbehandlungen“ genießt gehen auch andere Eltern mit uns „normal“ um. So hat uns eine Mutter eines nachmittags angerufen und gesagt, dass ihre Tochter gerne mit Toni spielen würde, ob wir nicht mal vorbei kommen möchten. Ich rannte durchs Haus und habe immer wieder gerufen: „Toni ist zum Spielen eingeladen worden“ - wie jedes andere Kind auch. Eigentlich die normalste Sache der Welt – für uns ein unvergesslicher Moment und die Bestätigung: Toni ist mittendrin statt nur dabei - und wir auch.

Je mehr Normalität uns durch das Kinderhaus mit allen daran Beteiligten geschenkt wird, desto weniger fühlen wir uns als Eltern eines gehandicapten Kindes. Nach einem Jahr Kinderhaus kann ich sagen, dass Toni ein ausgeglichenes, glückliches und auch selbstbewusstes Kind ist. Für unseren Sohn wünschen wir uns nun, dass es auch nach dem Kinderhaus so einen Platz für ihn und uns gibt.